{"id":970,"date":"2020-10-21T12:39:47","date_gmt":"2020-10-21T10:39:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unlimited-cruises.com\/blog\/?p=970"},"modified":"2024-10-22T10:57:52","modified_gmt":"2024-10-22T08:57:52","slug":"von-strandraeubern-und-rettern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unlimited-cruises.com\/blog\/historisches\/von-strandraeubern-und-rettern\/","title":{"rendered":"Von Strandr\u00e4ubern und Rettern &#8230;"},"content":{"rendered":"<p>Der Herbst naht und damit auch die Herbstst\u00fcrme. Nicht nur bei uns an Land wird es dann oft ungem\u00fctlich. Auf dem offenen Meer geraten immer wieder Schiffe und Boote in Seenot und bed\u00fcrfen Hilfe. Das ist schon seit Beginn der Seefahrt so, aber nicht immer wurde auch geholfen \u2026<\/p>\n<h3>Strandrecht oder Menschlichkeit?<\/h3>\n<p>Denn wenn es fr\u00fcher ordentlich st\u00fcrmte, betete so mancher \u201eGott sch\u00fctze unseren Strand\u201c. Warum den Strand? Von alters her beriefen sich Anwohner der Meere auf ihr \u201e<strong>Strandrecht<\/strong>\u201c, das besagte, dass alles, was am Strand angeschwemmt wurde, dem Finder geh\u00f6rt. Die oft bettelarme Bev\u00f6lkerung vor allem auf den Inseln in der Nord- und Ostsee waren angewiesen auf die \u201eSpenden\u201c, denn das Leben war hart. Fischerei und Schifffahrt warfen nur wenig ab. Bau- und Brennmaterial und alles, was sich verspeisen oder verkaufen lie\u00df, war wertvoll. Also warteten viele Inselbewohner regelrecht darauf, dass ein Schiff vor ihrer K\u00fcste havarierte und manchmal halfen sie auch nach \u2026<\/p>\n<p>Falsch gesetzte Leuchtfeuer und -signale f\u00fchrten Schiffe in die Irre und mitunter ins Verderben. Auch, wenn einige Besatzungsmitglieder die eigentliche Havarie \u00fcberlebten, geholfen wurde ihnen in der Regel nicht. Nach altem Seerecht geh\u00f6rten Schiff und G\u00fcter so lange dem Reeder, wie sich noch jemand Lebendiges an Bord befand. Erst nachdem sicher war, dass niemand \u00fcberlebt hat, durften die G\u00fcter und Schiffsteile \u201egeborgen\u201c werden. Also wartete man oder half sogar selbst nach. So manch ein ungl\u00fccklicher Seemann lie\u00df nicht auf See, sondern am vermeintlich sicheren Strand sein Leben, an dem er von Inselbewohnern \u201eempfangen\u201c wurde. Denn das eigene \u00dcberleben stand im Vordergrund.<\/p>\n<h3>Die ersten Rettungstationen<\/h3>\n<p>1850 wurden <strong>erste Rettungsstationen<\/strong>, nach britischem Vorbild, an der Ostseek\u00fcste und auf R\u00fcgen errichtet. Allerdings wohl auch eher aus Geld- als aus humanit\u00e4ren Gr\u00fcnden. Die von der preu\u00dfischen Regierung f\u00fcr die Rettung eingesetzten Lotsen hielten sich bei den eigentlichen Rettungen eher \u201evornehm\u201c zur\u00fcck. (Sie wollten schlie\u00dflich nicht ihr eigenes Leben riskieren.) Aber sie waren bei Bergungen am Strand mit die ersten, die da waren. Ein durchaus eintr\u00e4gliches Gesch\u00e4ft f\u00fcr den Staat. Denn ein Anteil an der gestrandeten Ware stand der jeweiligen Regierung zu.<\/p>\n<p>Die Errichtung von Seenotrettungsstationen an der Nordsee blieb lange Zeit erfolglos. Die Anwohner lie\u00dfen sich einfach nicht von deren Notwendigkeit \u00fcberzeugen. Einige Schiffsungl\u00fccke brachten die Menschen aber zum Umdenken. Zum einen strandete 1854 im November das Auswandererschiff \u201eJohanna\u201c vor Spiekeroog. 77 Tote gab es zu beklagen. Darunter 18 Kinder und sieben S\u00e4uglinge. Augenzeugen berichteten, das Wasser rings um die Ungl\u00fccksstelle sei vom Blut gef\u00e4rbt gewesen. Hilflos mussten die Anwohner der Insel zusehen, wie das tosende Meer zum Grab vieler unschuldiger Menschen wurde. Ein emotionales Erlebnis, das bei vielen Augenzeugen den Wunsch weckte, helfen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Ein weiteres Ungl\u00fcck ereignete sich am 10. September 1860 vor Borkum. Die englische Brigg \u201eAlliance\u201c konnte dem tosenden Sturm, der zu der Zeit tobte, nicht mehr Stand halten und geriet auf Grund. Die verzweifelten Hilferufe der neun Besatzungsmitglieder, die am fr\u00fchen Morgen auf die Insel schallten, blieben nicht ungeh\u00f6rt. Aber zur Hilfe eilte niemand. Im Gegenteil, es hei\u00dft, die Insulaner warteten am Strand, bis die Rufe endg\u00fcltig erloschen, um dann das Schiffswrack und die darauf befindlichen G\u00fcter zu \u201ebergen\u201c.<\/p>\n<p>Doch dieses Mal gab es einen weiteren Zeugen. Ein Badegast zeigte sich emp\u00f6rt \u00fcber die Tatenlosigkeit der Inselbewohner und das v\u00f6llige Fehlen von Einrichtungen zur Rettung Schiffbr\u00fcchiger und ging an die Presse. Der Artikel in der \u201eWeser-Zeitung\u201c erzeugte gro\u00dfe Aufmerksamkeit. Auch beim ehemaligen Steuermann und Navigationslehrer Adolph Bermpohl in Bremen Vegesack. Er ver\u00f6ffentlichte mehrere Artikel, die das bisher stillschweigend hingenommene Nichteingreifen bei Strandungen und Schiffsunterg\u00e4ngen anprangerten und forderte die Einrichtung von Rettungsstationen entlang der deutschen K\u00fcsten. Die Forderung von Adolph Bermpohl und seinen Mitstreitern nach einer privaten nationalen Rettungsgesellschaft zielte auf Freiwilligkeit und Solidarit\u00e4t. Vorbild waren die Rettungsstationen in den Niederlanden und Gro\u00dfbritannien. Allesamt getragen von engagierten Privatleuten und deren Spenden. Auch Bermpohl wendet sich an B\u00fcrger, Kaufleute und Reeder und nicht an den Staat. Der Gedanke dahinter: Wenn die Bev\u00f6lkerung das Rettungswerk versteht, tr\u00e4gt und unterst\u00fctzt, kann es erfolgreich sein. Es z\u00e4hlt die Solidarit\u00e4t der Vielen. So wurde er zum Initiator des deutschen Seenotrettungswesens.<\/p>\n<h3>Die Gr\u00fcndung der DGzRS<\/h3>\n<p>In Emden gr\u00fcndete schlie\u00dflich 1861 Georg Breusing einen Verein zur Rettung Schiffbr\u00fcchiger. 1865 vereinigten sich mehrere Einzelvereine zur Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbr\u00fcchiger (DGzRS), die bis heute besteht. Zwischen 1865 und 1900 retten sie 2.792 Menschen. Und das mit blo\u00dfer Muskelkraft. Denn fr\u00fcher gingen die M\u00e4nner noch in Ruderbooten auf \u201eRettungsmission\u201c.<\/p>\n<p>Das m\u00fcssen sie heute nicht mehr. Aber eine wichtige Aufgabe \u00fcbernehmen die meist ehrenamtlichen Retter und Retterinnen immer noch. Sie helfen in Seenot geratenen Schiffen und Wassersportlern und sie bringen auch mal eine werdende Mutter von einer Insel oder Hallig ins Krankenhaus, wenn es niemand anders mehr schafft. Die Flotte von 60 Seenotrettungskreuzern und -booten ist so positioniert, dass sie jeden K\u00fcstenpunkt entlang der Nord- und Ostseek\u00fcste binnen einer Stunde erreichen k\u00f6nnen. 180 Festangestellte und rund 800 Freiwillige tun auf den Rettungsstationen Dienst.<\/p>\n<p>\u00dcber 80.000 Menschenleben haben sie so im Laufe der Jahre gerettet. Viele Seenotretter haben dabei ihr eigenes Leben verloren. Die Gesellschaft finanziert ihre Arbeit ausschlie\u00dflich durch Spenden und freiwillige Zuwendungen. \u00d6ffentlich-staatliche Mittel werden nicht in Anspruch genommen.<\/p>\n<p>Die <strong>Zentrale der Seenotretter befindet sich in Bremen<\/strong> und kann nach Anmeldung besichtigt werden. Auf dieser <a href=\"https:\/\/www.seenotretter.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Webseite<\/a> erfahren Sie mehr \u00fcber die Arbeit der Seenotretter.<\/p>\n<p>Auf der niederl\u00e4ndischen Insel Texel lohnt ein Besuch des skurrilen <a href=\"https:\/\/www.juttersflora.nl\/de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Strandr\u00e4ubermuseums<\/a> mit etlichen Strandfunden aus \u00fcber 80 Jahren.<\/p>\n<p>Headerbild:\u00a0Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbr\u00fcchiger (DGzRS)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Herbst naht und damit auch die Herbstst\u00fcrme. Nicht nur bei uns an Land wird es dann oft ungem\u00fctlich. Auf dem offenen Meer geraten immer wieder Schiffe und Boote in Seenot und bed\u00fcrfen Hilfe. Das ist schon seit Beginn der Seefahrt so, aber nicht immer wurde auch geholfen \u2026 Strandrecht oder Menschlichkeit? 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