Auf Kreuzfahrt mit Queen Anne

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Unsere Kollegin Christiane aus dem Marketing war auf Einladung von Cunard vom 08. bis 12. Oktober 2025 Gast auf der Queen Anne. In diesem Artikel erzählt sie von ihren Eindrücken:

Das Schiff

Die Queen Anne ist das neueste Schiff in der Flotte von vier Schiffen und der erste Neubau seit der Queen Elizabeth 2010. Sie wurde am 4. Juni 2024 in Liverpool getauft. Und, das ist ein Novum in der Kreuzfahrtbranche, die Stadt Liverpool war die Taufpatin. (In Liverpool war viele Jahre lang der Hauptsitz von Cunard.) Repräsentiert wurde sie von fünf bekannten Liverpooler Persönlichkeiten, von denen bei uns wohl Melanie C von den Spice Girls am bekanntesten sein dürfte. (Die anderen Taufpatinnen waren Natalie Haywood, Jayne Casey, Ngunan Adamu und Katarina Johnson-Thompson).

  • Tonnage: 113.000 BRZ
  • Länge: 322,5 m / Breite: 35,6 m / Tiefgang: 8,12 m
  • Decks: 13 Passagierdecks
  • Passagierkapazität: 2.996 Gäste
  • Besatzung: 1.225 Mitglieder
  • Bordsprache: Englisch
  • Baujahr: 2024 (Fincantieri Werft, Italien)
  • Dresscode an Bord: am Gala-Abend formell, aber auch an anderen Abenden eher chic

Die Route

Southampton/Großbritannien — Seetag — Rotterdam/Niederlande — Seetag — Southampton/Großbritannien

Christiane erzählt: Ich war wirklich gespannt auf die Queen Anne. Wenn ich privat Kreuzfahrten unternehmen, dann präferiere ich klar die kleineren Schiffe wie die von Azamara oder Windstar Cruises. Mir persönlich ist das Gerummel mit vielen Menschen am selben Ort oft ein bisschen zu viel und die vielen Möglichkeiten, unterhalten zu werden, die es auf größeren Schiffen gibt, brauche ich auch nicht.

Ich mag allerdings durchaus die Schiffe von Holland America Line. Hier ist für mich die Mischung aus traditioneller Kreuzfahrt und Entertainment gut gelungen und selbst wenn die Schiffe ausgebucht sind, verteilen sich die Passagiere gut. Man hat eigentlich nie das Gefühl, dass alles überfüllt ist und man findet immer ein Plätzchen, um es sich gemütlich zu machen. Und auch wenn sich die Ausrichtung der Flotten von Holland America Line und Cunard im Detail unterscheiden, eine Gemeinsamkeit gibt es bei der Queen Anne auf den ersten Blick: Das Schiff entstammt wie auch die letzten Schiffe der HAL-Flotte der Pinnacle-Class-Baureihe (es ist nur etwas größer). Und das habe ich an Bord sofort gemerkt. Ich konnte mich schnell orientieren, weil mir der Aufbau des Schiffes durch Reisen auf der Rotterdam und Koningsdam bereits bekannt war. Auf einem recht großen Schiff ist das schon einmal ein deutlicher Vorteil.

Anreise und Einschiffung

Ich bin mit KLM über Amsterdam direkt nach Southampton geflogen und habe mir somit den „Umweg“ über London gespart. Meiner Meinung nach lohnt es sich nur, nach London zu fliegen, wenn man dort noch einige Tage verbringt. Die Anreisezeit im Grunde dieselbe, ob man von Deutschland über Amsterdam nach Southampton fliegt oder ob man nach London fliegt und von dort einen Transfer nach Southampton nutzt.

Auch in Southampton kann man durchaus ein, zwei Tage verbringen. Mir hat besonders das Seacity Museum gefallen. Es wurde 2012 zum Gedenken an die Abfahrt der RMS Titanic am 10. April 2012 von Southampton aus eröffnet. Im Museum gibt es zwei Dauerausstellungen: Bei der ersten dreht sich alles um den Untergang der Titanic. Die zweite Ausstellung beleuchtet die historische Rolle von Southampton als bedeutender Hafen für Passagier- und Frachtschiffe. Die Ausstellung über die Titanic, bei der man den Lebensweg einiger Passagiere und Crew-Mitglieder nachvollzieht und auch Tonaufnahmen einiger Überlebender hört, hat mich besonders bewegt.

Ein wenig skurril ist das Museum Tudor House & Garden in Southampton. Das zwischen 1491 und 1518 erbaute Haus blickt auf eine sehr lange und abwechslungsreiche Geschichte zurück. Bevor es 1912 zu einem Museum wurde, hatte das Tudor House viele verschiedene Bewohner: Darunter Sheriffs von Southampton, Bürgermeister, Abgeordnete und einen Lord Chief Justice von England. Es gab Verschwörungen zur Ermordung von Königen, Beteiligungen an Krönungsprozessionen und vieles mehr. Empfangen wird man dort von sehr freundlichen Mitarbeitern und einige Minuten später von den Stimmen der „Geister“ vorheriger Bewohner. Sie erzählen, untermalt von Lichteffekten und kleinen Film-Sequenzen, von der Geschichte des Hauses. Anschließend kann man den Rest des Museums mit einem Audio-Guide selbst erkunden. Ich fand es sehenswert und charmant. Das Museum selbst ist sehr verschachtelt und es gibt viele unebenen Flächen und Stufen. Daher ist es für Menschen mit eingeschränkter Mobilität oder entsprechenden Schwierigkeiten leider nicht ideal geeignet. Es gibt aber auch einen schönen Garten mit einem kleinen Café für den man keinen Eintritt zahlen muss …

Leider verlief diese Mal bei mir nicht alles nach Plan: In Southampton habe ich am Kofferband vergeblich auf das Erscheinen meines Koffers gewartet. Wie sich rausstellte, hatte er es nicht aus Amsterdam rausgeschafft … Das war wirklich unschön, zumal es ja mittags gleich auf das Schiff gehen sollte. Und die Vorstellung, die Reise ohne den Inhalt meines Koffers antreten zu müssen, hat mich wirklich nicht amüsiert. Zumal der nächste Tag gleich ein Seetag war und der Gala-Abend an Bord anstand. Und jeder, der sich auch nur ein bisschen mit Kreuzfahrten auf Cunard-Schiffen beschäftigt weiß, dass ein Gala-Abend bei Cunard auch ein richtiger Gala-Abend mit schicker Garderobe bedeutet!

Anstatt also in Ruhe mit dem Taxi nach Southampton zum Carnival House (dem Hauptsitz von Carnival UK) zu fahren, wo ein Treffen mit dem Rest der kleinen Cunard-Gastgruppe zu der ich auf dieser Reise gehörte, geplant war, wurde ich ganz hektisch und es ging zunächst zum Westquay Einkaufszentrum (mitten in Southampton). Powershopping stand auf dem Programm. Wenigsten war ich nicht alleine, am Kofferband hatte ich ein weiteres Mitglied der Gruppe kennengelernt, der mein „Kofferschicksal“ teilte. (Der Rest der Gruppe war übrigens in London gelandet, wo sie sich ganz entspannt und inklusive ihres Gepäcks in den Bus von Cunard setzten und nach Southampton fahren ließen.)

Ich konnte also die notwendigsten Dinge und einen Samt-Blazer erstehen, die es dann zusammen mit dem Inhalt meines Handgepäcks für die nächsten Tage tun mussten. Da die Koffer in Amsterdam gestrandet waren, hatten wir die Hoffnung, dass sie zumindest am übernächsten Tag in Rotterdam wieder zu uns stoßen würden. (Taten sie nicht. Mein Koffer hatte da schon die Heimreise angetreten und wartete bereits völlig unschuldig auf dem Flur auf mich, als ich nach Hause kam.)

Die Einschiffung verlief recht schnell und reibungslos. Da Southampton die Basis der Queen Anne ist, ist man dort auch mit dem ausgebuchten Schiff nicht überfordert. Wie zu erwarten war, waren überwiegend britische Gäste an Bord. Insgesamt ein bunt gemischtes Publikum und mit einem deutlich jüngeren Altersdurchschnitt, als ich es erwartet hatte.

Die Kabine

Ich hatte eine Britannia Club Balkon-Kabine (6169, ca. 22 m²), die mir wirklich sehr gut gefallen hat.

Was mache ich immer zuerst, wen ich meine Kabine auf einem Kreuzfahrtschiff betrete? Kurz stehen bleiben und wirken lassen.

Mein erster Eindruck: aufgeräumt, warm, stimmig. Kein Prunk, sondern ein eleganter, britisch geprägter Stil mit gedeckten Farben, viel Holz, weichen Stoffen und einem angenehm dicken Teppich. Es fühlt sich eher nach Boutique-Hotel als nach klassischem Kreuzfahrt-Klischee an. Besonders gut gefällt mir, dass die Wände kein Einheitsbeige haben, sondern an der einen Kabinenseite dunkelblau sind. Und die gemusterte Tapete, mit der die „Schreibtischnische“ versehen ist.

Britannia Club Balkon-Kabine / Foto: Cunard

Das Bett dominiert den Raum – groß, bequem, mit einer richtig guten Matratze, wie ich in den kommenden Nächten feststellen konnte. Besonders angenehm: Es gibt Kissen in verschiedenen Härtegraden, so finden die meisten sicher ein für sie optimales. Rechts und links vom Bett sind kleine Ablagen mit ausreichend Licht zum Lesen.

Ich fand auf dem Bett ein sehr freundliches Willkommensschreiben und einige wichtige Informationen auf Deutsch von der deutschen Ansprechpartnerin an Bord. Svenja Göritz heiß sie auf dieser Reise. Einige Zeit später lernte ich sie persönlich kennen und kann jeden nur ermuntern diese herzliche Frau, die ihren Beruf liebt (oder eine entsprechende Kollegin oder einen Kollegen) zu „nutzen“. Auf einem englischsprachigen Schiff macht es einen spürbaren Unterschied, wenn man weiß: Da ist jemand, der meine Sprache spricht – nicht nur grammatikalisch korrekt, sondern auch kulturell versteht, was ich meine.

Das Sofa ist groß genug, um sich mit einem Buch hinzufläzen oder morgens noch verschlafen einen ersten Tee zu trinken. Überhaupt, Tee: Ich war glücklich, als ich entdeckte, dass es neben der mittlerweile auf vielen Schiffen üblichen Möglichkeit, sich einen Kaffee machen zu können auch einen Wasserkocher und Tee gibt. Da lacht mein norddeutsches Herz.

Der Schminktisch/Schreibtisch hat genug Platz für ggf. einen Laptop und das übliche Reisechaos (ich zumindest werfe immer gerne alle möglichen Kleinigkeiten dort hin und sammle natürlich auch die Tagesprogramme und alle anderen gedruckten Informationen). Hier gibt es auch eine Steckdose für „deutsche“ Stecker. Man braucht auf der Queen Anne also nicht unbedingt einen Adapter mitnehmen. Es wartete übrigens auch eine Flasche Sekt zur Begrüßung auf mich. Leider war sie nicht gekühlt, so musste ich den Begrüßungssekt auf später verschieben und widmete mich erstmal dem Auspacken. (Das ging in Ermangelung meines Koffers wirklich schnell …)

Der Stauraum überrascht positiv: Schrank mit genügend Bügeln, Fächern und Safe, Platz unter dem Bett für den Koffer. Man muss nichts stapeln oder ständig umräumen. Und ich entdeckte auch sofort die flauschigen Bademäntel. Ich liebe es, mich nach dem Duschen in einen Bademantel zu kuscheln. Und auf Nachfrage bei meiner bezaubernden Kabinen-Stewardess erhielt ich auch ein paar super flauschige Slipper mit recht dicken Sohlen. Das sind die besten, die ich je auf einem Kreuzfahrtschiff bekommen habe … Ich bin verliebt und hab die Slipper auch als Souvenir mit nach Hause genommen.

Das Badezimmer würde ich als ein typisches Kreuzfahrtschiff-Bad bezeichnen: kompakt und clever organisiert. Die Dusche ist keine Wellnesslandschaft, aber groß genug, dass man sich normal bewegen kann, ohne permanent die Duschwand zu berühren. Gute Beleuchtung am Spiegel (wichtig!), genügend Ablage für die eigenen Sachen und hochwertige Pflegeprodukte von Penhaligon’s.

Dann musste natürlich der Balkon inspiziert werden. Zwei Stühle, ein kleiner Tisch, Glasbrüstung und dahinter nur Wasser. Morgens im Bademantel rauszutreten, die salzige Luft einzuatmen und das Schiff leise durch die Wellen schneiden zu hören, ist ein Moment, der mir nie langweilig wird. Er ist nicht riesig, aber groß genug, um wirklich dort Zeit zu verbringen. Abends mit einem Drink dort zu sitzen, während die Sonne im Meer versinkt, fühlt sich fast privat an – obwohl natürlich links und rechts andere Balkone sind. Trotzdem: Das ist der Luxus einer Balkon-Kabine.

Was „Club“ im Alltag bedeutet

Der Unterschied zur „normalen“ Balkonkabine liegt nicht in der Ausstattung der Kabine. Eher in den Details, auch wenn eines davon durchaus relevant sein kann: Gegessen wird nämlich nicht im großen Britannia-Hauptrestaurant sondern an einem festen Tisch im Britannia-Club-Restaurant. In dem deutlich kleineren Restaurant herrscht ein entspannteres Ambiente ohne großes Gewusel.

Mein Kabinen-Fazit

Die Club-Balkon-Kabine auf der Queen Anne ist kein Showroom für Instagram-Glamour. Sie ist durchdacht, komfortabel und ehrlich hochwertig. Sie bietet genug Platz, um sich zurückzuziehen und mit dem Balkon einen echten Mehrwert.

Wenn ich abends die Kabinentür schloss und vom Balkon aus noch mal auf den dunklen Ozean hinausschaute, hatte ich nicht das Gefühl, in einer Kabine zu wohnen – sondern mein eigenes kleines, schwimmendes Hotelzimmer mit Meerblick zu besitzen.

Bordleben auf Queen Anne

My Voyage-App

Für die Organisation meines Bordlebens habe ich mir die „My Voyage“-App von Cunard auf mein Handy runtergeladen. Um ehrlich zu sein, ich bin die erste, die kaum an Bord angekommen ihr Handy zur Seite legt und es so selten wie möglich wieder in die Hand nimmt. Also brauchte ich die App nicht wirklich. Aber sie kann, wenn man will, die Schaltzentrale für den Alltag an Bord sein: Sobald man im Bord-WLAN eingeloggt ist (auch ohne Internetpaket funktioniert die App), wird sie zum persönlichen Navigator.

Ich habe damit:

  • das Tagesprogramm durchstöbert, wenn ich im Laufe des Tages vergessen hatte, was ich auf der Papierverion, die ich in die Kabine bekomme habe als interessant befunden habe
  • Restaurantzeiten geprüft
  • meinen Bordaccount im Blick behalten
  • Deckpläne aufgerufen, wenn ich mal wieder nicht wusste, wo ich eigentlich bin. Die Deckpläne in der App haben mir mehr als einmal geholfen, schneller vom Theater ins Restaurant oder vom Restaurant in die Bar zu finden, ohne drei Mal falsch abzubiegen. Es ersetzt keinen analogen Orientierungssinn, aber es rettet die Würde.

Man könnte damit auch:

  • Tischreservierungen vornehmen
  • Unterhaltungsveranstaltungen buchen
  • Seine Buchungen anzeigen und verwalten
  • WLAN-Pakete erwerben
  • Landausflüge buchen
  • Termine im Kinderclub buchen
  • und den virtuellen medizinischen Service SeaConsult nutzen

Funktioniert alles perfekt?

Fast.

Manchmal lädt sie einen Moment länger, besonders wenn viele Gäste gleichzeitig online sind (wurde mir gesagt). Und natürlich ersetzt sie kein persönliches Gespräch. Aber sie nimmt viele kleine Wege ab und spart Zeit.

Mein Fazit nach ein paar Seetagen

Die Cunard App ist ein praktisches Werkzeug. Sie strukturiert den Tag, gibt Überblick und macht das Bordleben einfacher.

Ich habe sie nicht permanent genutzt – aber oft genug, um sie nicht mehr missen zu wollen.

Das Britannia Club Restaurant

Es gab diesen Moment am ersten Abend im Club Britannia Restaurant, in dem ich spürte: Hier fühlt sich das Abendessen anders als in dem großen Hauptrestaurant an. Ruhiger. Persönlicher. Fast wie ein kleines Boutique-Restaurant; nur eben mitten auf dem Meer.

Ich war mit einer Gruppe anderer Reisebüro-Mitarbeiter an Bord, und vielleicht habe ich gerade deshalb besonders bewusst auf Atmosphäre, Abläufe und Details geachtet. Wenn man beruflich viel sieht, entwickelt man ein gutes Gespür dafür, ob etwas wirklich funktioniert – oder nur gut klingt.

Ankommen statt anstehen

Während es im großen Britannia Restaurant durchaus lebendig zugehen kann, wirkt das Club Britannia sofort entspannter. Weniger Tische, mehr Abstand, ein angenehmer Geräuschpegel. Kein Warten, kein Organisieren. Mein Tisch blieb während der Reise derselbe.

Britannia Club Restaurant / Foto: Cunard

Der Service

Was mir besonders aufgefallen ist: Der Service war aufmerksam, ohne steif zu wirken. Keine übertriebene Förmlichkeit, keine Show, sondern echte Präsenz.

Das habe ich gleich am ersten Abend erlebt.

Mir ging es an diesem Abend nicht besonders gut. Nichts Dramatisches, aber ich fühlte mich einfach nicht ganz auf der Höhe nach dem frühen Aufbruch am Morgen und dem Heck Meck mit meinem verlorengegangen Koffer. Und so blieb mein Hauptgang halb auf dem Teller liegen. Kaum wurde das bemerkt, reagierte man sofort. Sehr freundlich, sehr aufmerksam – und ehrlich besorgt.

Ich wurde gefragt, ob alles in Ordnung sei. Nicht mit dem Unterton „Hat es nicht geschmeckt?“, sondern mit echtem Interesse. Als ich erklärte, dass es mir schlicht nicht gut gehe, war die Reaktion unglaublich freundlich. Man bot mir sofort etwas Leichteres an, eine kleinere Portion, eine Suppe. Ganz unkompliziert und ohne jede Irritation. Kein unangenehmes Nachfragen. Kein Gefühl von Umstand. Sondern das klare Signal: Es geht darum, dass es mir gut geht. Gerade in solchen Momenten merkt man, wie Service wirklich gemeint ist.

Und es gab einen weiteren besonderen Moment: Einer aus unserer Gruppe fragte, ob es am nächsten Abend möglich sei, Crêpes Suzette zu bekommen, obwohl sie nicht auf der Karten standen. „Selbstverständlich“ lautete die Antwort.

Und so wurde am nächsten Abend zum Dessert ein Servierwagen an unseren Tisch gerollt. Vor unseren Augen wurden die Crêpes in der Pfanne geschwenkt, mit Orangensauce übergossen und flambiert. Eine kleine, klassische Show am Tisch: Flamme, Duft, Applaus von uns am Tisch. Es war kein großes Spektakel für den ganzen Raum. Es war für uns. Und genau das machte es besonders.

Die Küche – klassisch und solide

An den folgenden Abenden konnte ich das Menü dann in Ruhe genießen. Die Speisekarte ist britisch-international geprägt, mit täglich wechselnden Gerichten und zusätzlichen Optionen im Club-Bereich.

Die Portionen sind angenehm dimensioniert, die Qualität konstant, die Präsentation stilvoll. Es ist keine experimentelle Sterneküche, sondern eine verlässliche, hochwertige Küche, die für mich zur Marke passt.

Für mich liegt der Mehrwert der Club-Kategorie weniger in der Kabine – sondern hier, am Abend im Restaurant.

Das Club Britannia ist ein Ort für entspannte, stilvolle Abende. Für gutes Essen, ruhige Gespräche und für Momente, in denen man merkt, dass Aufmerksamkeit nicht nur ein Versprechen ist, sondern gelebte Haltung. Und manchmal eben auch für frisch flambierte Crêpes Suzette direkt am Tisch.

Das Büffetrestaurant Artisans’ Foodhall

Wer bei Cunard nur an formelle Dinner und weiß eingedeckte Tische denkt, sollte unbedingt in das Büffetrestaurant gehen. Denn hier zeigt die Queen Anne eine ganz andere, angenehm entspannte Seite. Die Artisans’ Foodhall ist heller und moderner gestaltet als die klassischen Restaurants. Viel Licht, offene Flächen, unterschiedliche Sitzbereiche. Von kleinen Zweiertischen bis zu größeren Gruppenplätzen.

Ich bin kein Frühstücker und kann deshalb nicht viel über das Frühstück dort sagen. Aber ich habe mich nach einem Morgentee in meiner Kabine natürlich aufgemacht, mir das Frühstück in der Artisans‘ Foodhall anzuschauen, um Ihnen davon erzählen zu können: Das Prinzip hier ist keine lange Büffetlinie, sondern verschiedene Stationen, fast wie kleine Marktplätze.

Es gibt alles, was man sich zum Frühstück wünscht:

  • frisches Obst, Joghurt, Müsli
  • warme Speisen wie Rührei, Speck, Würstchen
  • Omelett-Station
  • Pancakes und Waffeln
  • Gebäck, Croissants, Toast
  • Kaffee- und Teespezialitäten

Was mir besonders gefallen hat: Es fühlt sich weniger nach „Großraumbüffet“ an. Die Bereiche sind aufgelockert, man verteilt sich gut, und es entsteht nicht dieses klassische Tablett-in-der-Hand-Gedränge.

Artisans’ Foodhall / Foto: Cunard

Natürlich ist es lebhafter als im Restaurant. Aber es schien nie chaotisch. Nach meiner Beobachtung werden die Tische schnell wieder abgeräumt und alles für die nächsten Gäste sauber gemacht.

Mittagessen – unkompliziert und überraschend vielfältig

Mittags ist die Artisans’ Foodhall für mich der perfekte Ort, wenn ich keine Lust auf ein gesetztes Menü habe.

Das Konzept mit den verschiedenen Stationen funktioniert auch mittags: internationale Küche, Pasta, Salate, warme Hauptgerichte, kleine Snacks. Man kann sich einen leichten Teller zusammenstellen – oder herzhaft und „typisch britisch“ (Fisch & Chips und verschiedene Pies) zugreifen.

Was ich mochte: Die Auswahl wechselt, es gibt immer etwas Frisches, Saisonales oder Thematisches.

Ein echter Publikumsmagnet sind die Softeisstationen. Auf der einen Seite des Restaurants konnte man sich selbst Vanilleeis zapfen, auf der anderen Seite Schokoladeneis. Becher oder Waffel nehmen, Hebel ziehen, fertig.

Gerade nach dem Mittagessen oder zwischendurch war dort oft Betrieb.

Ich muss allerdings ehrlich sagen: Mein persönliches Highlight war es nicht. Das Eis war mir etwas zu wenig cremig. Für den schnellen süßen Moment absolut in Ordnung – aber kein Eis, für das ich extra zurückgekommen wäre.

Beliebt war es trotzdem. Und manchmal sagt das mehr über ein Angebot aus als die eigene Vorliebe.

Ich finde das Konzept des Büffetrestaurants durchdacht, strukturiert und hochwertiger als man es vielleicht erwartet. An Seetagen ist es natürlich voller, aber durch die Größe und Struktur verteilt sich alles gut. Ich habe selten länger nach einem Platz gesucht. Für Frühstück und Mittag ist es für mich der perfekte Ort: flexibel, vielfältig und entspannt.

Was viele vielleicht nicht wissen: Selbst am Gala-Abend kann man in der Artisans’ Foodhall ganz entspannt und ohne Abendkleidung essen gehen. Während sich in den Hauptrestaurants alles um Smoking, Abendkleid und das große „Cunard-Gefühl“ dreht, bleibt es hier bewusst leger.

Wenn man also keine Lust auf das ganze „Gedönse“ hat – oder einfach einen ruhigen, unkomplizierten Abend verbringen möchte – ist das Büffetrestaurant eine echte Alternative. Völlig ohne Dresscode-Stress (was nicht heißt, das sich nicht einige der Foodhall-Gäste trotzdem schick in Schale geschmissen haben …)

Seetag auf Queen Anne

Der erste Seetag auf der Queen Anne begann für mich ruhig. Kein frühes Aufstehen wegen eines Ausflugs, kein Blick auf den Hafenplan – nur das sanfte Gefühl, dass das Schiff irgendwo zwischen zwei Orten unterwegs war und ich einfach Zeit hatte.

Ich bin früh aufgewacht, wahrscheinlich auch, weil das Licht durch die Vorhänge fiel, die ich extra dafür ein Stück weit aufgelassen hatte. Als ich die Balkontür öffnete, kam mir sofort diese frische, salzige Luft entgegen. Das Meer war an diesem Morgen ruhig. Nur das gleichmäßige Geräusch der Wellen und das tiefe, fast beruhigende Brummen des Schiffes waren zu hören. Ich blieb einen Moment draußen stehen, noch im Bademantel, und sah einfach nur aufs Wasser. Genau diese Momente machen für mich einen Seetag aus.

Mit einer Tasse Tee auf dem Balkon begann mein Morgen ganz entspannt. Das Meer vor mir, die frische Luft, viel mehr brauchte es eigentlich nicht, um in den Tag zu starten. (Okay, die Luft war ein bisschen sehr frisch und es war recht windig, aber das hält eine Norddeutsche nicht von ihrem Balkon-Tee-Erlebnis ab.)

Gefrühstückt habe ich an diesem Morgen nicht. Mir war immer noch nicht so richtig wohl. Stattdessen habe ich mich irgendwann auf den Weg gemacht, um das Schiff noch einmal in Ruhe zu erkunden. Seetage sind perfekt dafür, deshalb freue ich mich immer, wenn der erste Tag einer Kreuzfahrt ein Seetag ist. Überall an Bord wird Programm angeboten – Vorträge, Kurse, Musik, Workshops – und gleichzeitig hat man die Freiheit, einfach herumzuschlendern und sich treiben zu lassen.

Ich habe einen ausgedehnten Rundgang über das Schiff gemacht, bin durch verschiedene Lounges gegangen, habe mir Decks angeschaut, die ich am Tag vorher noch nicht bewusst wahrgenommen hatte, und einfach beobachtet, wie das Leben an Bord so langsam in Gang kam.

Ein besonders unterhaltsamer Moment ergab sich in der Queen’s Lounge. Sie liegt über zwei Decks in der Mitte des Schiffes direkt bei den Shops, also in einem Bereich, durch den viele Gäste ohnehin immer wieder hindurchgehen. Anders als klassische Theaterräume ist die Lounge kein abgeschlossener Raum, sondern offen gestaltet. Man kommt quasi automatisch daran vorbei, wenn man zwischen den Decks oder den Geschäften unterwegs ist. Genau deshalb blieb ich dort auch spontan stehen.

Queen’s Lounge / Foto: Cunard

In der Queen’s Lounge fand gerade ein Zumba-Kurs statt – allerdings nicht, weil die Lounge der klassische Ort für Fitnesskurse wäre, sondern weil im eigentlichen Fitnessbereich nicht genug Platz dafür ist (meiner Einschätzung nach). Der Fitnessbereich auf der Queen Anne ist insgesamt nicht allzu groß.

Durch die offene Lage der Lounge entsteht eine besondere Situation: Viele Gäste bleiben kurz stehen, lehnen sich ans Geländer oder setzen sich auf eine der umliegenden Sitzgelegenheiten und schauen zu.

Der Kurs war sehr gut besucht und die Teilnehmerinnen hatten sichtlich Spaß. Ich dachte: Sich bei einem Zumba-Kurs den Blicken eines halben Schiffes auszusetzen, muss man mögen.

Ich liebe diesen typischen Seetag-Rhythmus: Niemand hat es eilig. Manche Gäste verschwinden mit einem Buch in eine der Lounges, andere drehen ihre Runden auf dem Promenadendeck. Ich lief eine Weile über das Außendeck, ließ mir den Wind um die Nase wehen und beobachtete das Wasser, das sich in endlosen Mustern hinter dem Schiff kräuselte.

Später zog es mich für eine tolle Aussicht und eine weitere Tasse Tee in den Commodore Club ganz oben auf Deck 12. Seetage haben etwas fast Meditatives: Menschen kommen und gehen, irgendwo spielt leise Musik, und man merkt, wie langsam der Alltag aus dem Kopf verschwindet.

Am Nachmittag stand dann ein besonderer Programmpunkt auf dem Plan: Champagner Afternoon Tea im Restaurant Aji Wa zusammen mit unseren kleinen Gruppe. ( Den Champagner Afternoon Tea kann man für 40 USD pro Person buchen.)

Das Aji Wa Restaurant bot dafür eine schöne Kulisse. Die Atmosphäre war ruhig, stilvoll und gleichzeitig sehr entspannt. Auf den Tischen standen elegante Etageren mit verschiedenen Fingersandwiches, Scones und süßen Kunstwerken aus der Patisserie. Es gab Clotted Cream und Marmelade und dazu wurde natürlich Tee serviert. Den Tee konnten wir aus verschiedenen Sorten wählen, ebenso wie das Glas Champagner. Laurent-Perrier Cuvée Rosé oder Heritage standen zur Wahl. Ich liebe Afternoon Tea und zelebriere ihn, wann immer ich Gelegenheit dazu habe. Ich finde, es hat immer etwas sehr Festliches, ohne übertrieben zu wirken.

Wir saßen dort eine ganze Weile zusammen, probierten uns durch die verschiedenen Häppchen und genossen einfach die Stimmung. Gerade nach einem ruhigen Seetag passte dieses kleine Ritual perfekt. Für mich war es einer dieser Momente, in denen man merkt, wie angenehm entschleunigend eine Kreuzfahrt sein kann. Mir hat der Nachmittag dort wirklich gut gefallen.

Irgendwann zog ich mich wieder auf meine Kabine zurück. Ein Seetag ist auch die perfekte Gelegenheit, einfach einmal nichts zu tun: ein Buch lesen, auf dem Balkon sitzen, dem Meer zusehen, ein Nickerchen machen. Man verliert schnell das Zeitgefühl. Das war an diesem Tag allerdings etwas riskant, denn am Abend stand ein weiteres Highlight an. Der Gala-Abend!

Gala-Abend auf der Queen Anne

Schon am Nachmittag merkte man, wie sich das Schiff langsam verwandelte. Überall herrschte eine gewisse Vorfreude und ich hatte den Eindruck, das viele Gäste sich rechtzeitig in ihre Kabine zurückzogen, um sich vorzubereiten.

Cunard pflegt die Tradition des Gala-Abends sehr bewusst – und das merkt man.

Viele Gäste haben sich richtig schick gemacht. Glänzende Schuhe, Smokings, lange Kleider, Manschettenknöpfe, Schmuck, wo man nur hinsah. Aber niemand wirkte „verkleidet“, sondern eher wie aus einer Zeit, in der ein Abendessen auf See noch ein gesellschaftliches Ereignis war.

In den Bars wurde angestoßen, auf den Treppen und in den Lounges wurden Fotos gemacht, und überall lag dieses elegante, leicht festliche Flair in der Luft.

Ich habe mich eine Weile einfach treiben lassen, bin über das Schiff gegangen und habe diese besondere Stimmung aufgesogen. Das Licht, die Musik, die festliche gekleideten Menschen, die überall flanierten – all das hatte etwas sehr Klassisches, fast Zeitloses. Es war herrlich und hat viel Spaß gemacht, Teil des Ganzen zu sein. Mein erster Tag auf der Queen Anne hatte damit seinen ganz eigenen, eleganten Abschluss gefunden.

Beispielbild Gala-Abend / Foto: Cunard

Ein süßer Ausflug: Von Rotterdam nach Gouda

Am nächsten Morgen erwachten wir in Rotterdam. Vom Balkon aus konnte ich auf die Maas und auf die auf der anderen Fluss-Seite liegenden Stadt schauen. Und ich sah die markante Erasmus-Brücke, die sich elegant über den Fluss spannt. Die Queen Anne lag während unseres Aufenthalts am Cruise Terminal Rotterdam am Wilhelminaplein (Wilhelminakade). Der Liegeplatz ist zwar relativ zentral, aber nicht direkt mitten im historischen Zentrum der Stadt.

Die Erasmusbrücke und die Skyline von Rotterdam am Morgen. Fotografiert von meinem Balkon.

In die Innenstadt zu kommen ist allerdings sehr unkompliziert – es gibt mehrere Möglichkeiten:

  • Zu Fuß: Wer gerne spaziert, kann einfach über die Erasmusbrücke laufen. Der Weg ins Zentrum dauert etwa 20 bis 30 Minuten und bietet unterwegs schöne Ausblicke auf den Fluss und die Skyline der Stadt.
  • Shuttlebus: Viele Kreuzfahrtschiffe bieten einen (in der Regel kostenpflichtigen) Shuttle-Service vom Terminal ins Stadtzentrum an. Das ist die bequemste Variante, wenn man nicht laufen möchte.
  • Metro: Nur wenige Gehminuten vom Terminal entfernt liegt die Metrostation Wilhelminaplein. Von dort fahren mehrere Linien in wenigen Minuten direkt ins Zentrum.
  • Taxi: Taxis stehen meist direkt am Terminal bereit. Für eine kurze Fahrt in die Innenstadt ist das eine schnelle und unkomplizierte Option.
  • Wassertaxi: Besonders typisch für Rotterdam ist das Wassertaxi, das an verschiedenen Stellen entlang der Maas hält. Wer Lust auf eine etwas außergewöhnlichere Anreise hat, kann so auch über den Wasserweg in andere Teile der Stadt gelangen.

Für uns ging es allerdings zunächst gar nicht nach Rotterdam selbst, sondern auf einen Ausflug nach Gouda. Der Name ist natürlich sofort mit Käse verbunden, aber die kleine Stadt hat deutlich mehr zu bieten als nur ihre berühmte Spezialität.

Im historischen Zentrum von Gouda wurden wir von strahlendem Wetter empfangen. Die Sonne schien, der Himmel war blau, und Gouda zeigte sich wirklich von seiner schönsten Seite. Wir machten zunächst einen kleinen Spaziergang durch die Stadt. Mit ihren Grachten, den hübschen Häusern und dem beeindruckenden Rathaus auf dem Marktplatz wirkt Gouda fast ein bisschen wie aus einem Bilderbuch. Alles ist überschaubar, charmant und wunderbar entspannt.

Der eigentliche Höhepunkt unseres Ausflugs wartete jedoch in Bergs Bakery auf uns: ein englischsprachiger Stroopwafel-Workshop.

Wer Stroopwafeln kennt, weiß: Zwei dünne Waffeln, dazwischen eine Schicht Sirup – einfach, aber unglaublich lecker. Was ich allerdings unterschätzt hatte, war die Menge an Sirup, die tatsächlich hineingehört. Es ist… erstaunlich viel.

Im Workshop durften wir selbst Hand anlegen und unsere eigenen Stroopwafeln herstellen. Dabei wurde uns mit viel Humor und einer guten Portion Leidenschaft von der Tradition dieser niederländischen Spezialität und des Hauses erzählt. Es war genau die richtige Mischung aus Mitmachen, Lernen und einfach Spaß haben.

Natürlich blieb es nicht nur beim Backen. Anschließend gab es Kaffee (ich habe natürlich Tee getrunken) und eine kleine Auswahl anderer süßer Spezialitäten. Ich war kurz vor Zuckerschock. Aber es war alles unglaublich lecker.

Bevor wir gingen, habe ich im kleinen Laden der Bäckerei noch Stroopwafeln für meine Kollegen gekauft. Man muss auch mal gönnen können.

Ich finde, der Ausflug nach Gouda lohnt sich absolut. Die Stadt ist charmant, der Spaziergang durch die Altstadt wunderschön – und der Stroopwafel-Workshop bei Bergs Bakery macht einfach richtig Spaß. Eine süße Erfahrung im wahrsten Sinne des Wortes.

Ein Abend in der Bright Lights Society

Am Abend wartete noch ein besonderes Erlebnis auf uns – wir durften eine Show in der Bright Lights Society an Bord besuchen. Die Bright Lights Society ist eine der neuen Entertainment-Locations auf der Queen Anne und unterscheidet sich deutlich von einem klassischen Theater. Der Raum wirkt eher wie ein Club – mit kleinen Tischen, niedriger Decke, gemütlichen Sitzplätzen und einer Bühne, die näher am Publikum ist. Dadurch fühlt sich alles deutlich intimer an als in einem großen Showtheater.

Bright Lights Society / Foto: Cunard

Schon beim Ankommen merkte man, dass dieser Veranstaltungsort etwas Besonderes ist. Zur Begrüßung wurde uns ein Glas Laurent-Perrier Champagner gereicht und wir konnten uns unsere Plätze suchen. (An den Champagner könnte ich mich gewöhnen. Leider wurde Zuhause mein Vorschlag abgelehnt, mich zukünftig immer wenn ich einen Raum betrete mit einem Glas Champagner zu begrüßen.)

Die Show wird laut Programm von den charmanten Gastgebern Monsieur Laurent und seinem Ensemble präsentiert und verspricht „die extravaganteste Soirée auf See“. Geboten wird ein abwechslungsreicher Abend mit Live-Musik, mitreißendem Gesang und sinnlicher Burleske – eine Art modernes Kabarett auf See.

Genau so fühlte es sich auch an: eine Mischung aus Musikshow, Tanz und Varieté-Atmosphäre. Die Künstler bewegen sich nicht nur auf der Bühne, sondern teilweise auch im Raum, wodurch eine sehr direkte Verbindung zum Publikum entsteht. Licht, Kostüme und Choreografie sind aufwendig gestaltet.

Die kleine Rahmenhandlung der Show war allerdings, zumindest für meinen Geschmack, ein bisschen kitschig. Trotzdem hat mir der Abend insgesamt wirklich gut gefallen – vor allem wegen der Atmosphäre und der starken Performances der Künstler. Interessant war allerdings, wie unterschiedlich die Reaktionen in unserer Gruppe ausfielen: Einige fanden die Show furchtbar. Offensichtlich ist dieses Format nicht jedermanns Sache.

Es gibt zwei Vorstellungen pro Abend. Der Besuch der Show ist reservierungspflichtig und wird mit einem Aufpreis von 20 USD pro Person berechnet – inklusive des Champagners zur Begrüßung.

Für mich war es ein sehr stimmungsvoller Abend und ein schöner Abschluss unseres Tages in Rotterdam.

Ein weiterer Seetag – Bordleben genießen

Der nächste Tag war wieder ein Seetag. Ich habe mir den Luxus gegönnt, einfach auszuschlafen. Kein Programm am frühen Morgen, kein Ausflug – nur Ruhe. Genau dafür sind Seetage schließlich da.

Später traf sich unsere kleine Gruppe noch zu einer Gesprächsrunde, um Eindrücke auszutauschen und über das Schiff zu sprechen. Wenn mehrere Reiseprofis zusammen unterwegs sind, bleibt es natürlich nicht bei reinen Urlaubsgesprächen. Da wird analysiert, verglichen und diskutiert.

Den restlichen Tag habe ich ganz bewusst genutzt, um einfach das Bordleben zu beobachten und meine Kabine zu genießen. Ein bisschen lesen, über das Schiff schlendern, Nickerchen machen – diese Mischung aus Aktivität und Nichtstun ist für mich einer der großen Reize einer Kreuzfahrt.

Dabei ist mir etwas aufgefallen: Im Golden Lion Pub war wirklich zu jeder Tageszeit etwas los. Egal ob mittags zu einem typisch britischen „Pub Grub“ Essen, nachmittags zum Bingo oder Pub Quiz oder später am Abend – dort saßen immer Gäste, tranken, hörten Live-Musik oder unterhielten sich. Der Pub hat eine sehr gemütliche Atmosphäre und scheint ein echter Treffpunkt an Bord zu sein.

Golden Lion Pub / Foto: Cunard

Kulinarisches Highlight: Dinner im Aji Wa

Am Abend stand für uns ein besonderes Dinner auf dem Programm: das japanische Restaurant Aji Wa. Das Restaurant gehört zu den Spezialitätenrestaurants an Bord und ist aufpreispflichtig (65 USD pro Person).

Für mich war dieses Dinner das kulinarische Highlight der Reise. Bei dem servierten Omakase-Menü geht es weniger um einzelne Gerichte, sondern um eine Geschmacksreise, bei der der Koch die Reihenfolge so plant, dass sich leichte, frische und intensive Aromen abwechseln.

Und eine Geschmacksreise war es: Die Gerichte waren wunderbar präsentiert, geschmacklich überzeugend und sehr hochwertig. Auch die Weinbegleitung hat für mich toll zu den einzelnen Gängen gepasst.

Ein kleiner Wermutstropfen – allerdings ein sehr typischer auf internationalen Schiffen: Die Menüfolge wurde ziemlich schnell serviert. Kaum war ein Gang beendet, stand schon der nächste auf dem Tisch.

Aber abgesehen vom Tempo war das Essen wirklich ausgezeichnet. Kreativ und voller unerwarteter Geschmäcker. Ein echtes Erlebnis und eine klare Empfehlung von mir.

Das Nachtleben an Bord

Nach dem Dinner haben wir uns noch ein wenig ins Nachtleben an Bord gestürzt – und dabei gemerkt, wie viel gleichzeitig auf der Queen Anne geboten wird.

Im Queens Room spielte Live-Musik, im Golden Lion Pub ebenfalls. Im Royal Court Theatre lief eine Show und in der Bright Lights Society herrschte Club-Atmosphäre.

Besonders beliebt war an diesem Abend die Silent Disco im Queens Room. Viele Gäste tanzten dort mit Kopfhörern zu verschiedenen Liedern und entsprechend unterschiedlichen Rhythmen auf der Tanzfläche. Meins ist das Kopfhörer-Tanzen nicht. Aber alle die dabei waren hatten offensichtlich viel Spaß.

Ich habe mich in der Club Atmosphäre der Bright Lights Society wohlgefühlt und hab dort den Abend mit einigen Getränken und netter Begleitung aus unserer Gruppe ausklingen lassen.

Apropos Getränke. Ich habe natürlich nicht vergessen, was meine und die „Pflicht“ eines jeden Kollegen bei jedem Schiffsbesuch ist. Wir suchen völlig selbstlos eine Cocktailempfehlung für unsere Kunden. Meine von der Queen Anne könnte britischer nicht sein und ist eher ein Longdrink, als ein Cocktail: Der Pimm`s Cup. Ich bin kein großer Fan von süßen Getränken und liebe diesen Drink mit seiner kräutrig-herben und leicht bitteren Note daher sehr. Was gehört rein?

  • Pimm’s No.1
  • Gekühlte Limonade (z. B. Sprite oder Ginger Ale)
  • Eiswürfel
  • Gurkenscheiben
  • Orangenscheiben
  • Zitronenscheiben
  • frische Minze

Ich trinke Pimm`s vor allem im Sommer auch Zuhause gerne und mische ihn da mit Tonic Water an, damit er ja nicht zu süß wird.

Der letzte Abend an Bord endet mit einem kleinen Pimm`s-Schwips und der Erkenntnis, dass man den Abend auf der Queen Anne genau so lebhaft oder entspannt verbringen kann, wie man gerade möchte.

Abschied von der Queen Anne

Der letzte Tag begann – wie so oft am Ende einer Kreuzfahrt – ein wenig wehmütig. Ausschiffungstag.

Zum Glück war alles sehr gut organisiert. Die Abläufe waren klar, die Zeiten gut kommuniziert, und so verlief das Verlassen des Schiffes erstaunlich entspannt. Kein Gedränge, kein Chaos – eher ein ruhiger, strukturierter Abschied von der Queen Anne. Und das trotz 2.296 Gästen, die annähernd zeitgleich das Schiff verlassen haben.

Da mein Flug erst am nächsten Tag ging, hatte ich das Glück, noch einen entspannten Sonntag in Southampton zu verbringen. Ich hatte ein Zimmer im frisch renovierten VOCO Hotel gebucht. Das Hotel liegt recht Nahe an den Kreuzfahrtterminals und so hatte ich von meinem Zimmer aus noch einen schönen Blick auf die Queen Anne.

Das Hotel hat mir gut gefallen. Die Zimmer sind hell und komfortabel (allerdings sieht man an einigen Stellen, dass die Zimmer nicht neu, sondern renoviert sind), und am nächsten Morgen gab es ein reichhaltiges und sehr gutes Frühstück – genau das Richtige vor der Heimreise.

Am Nachmittag machte ich mich mit meiner frisch an Bord gekauften kleinen Cunard-Reisetasche (Sie erinnern sich, ich hatte keinen Koffer) in einem Taxi auf den Weg zum Flughafen.

Der Flug mit KLM verlief völlig problemlos. Ich kam mit einem Zwischenstopp in Amsterdam am Abend an meinem Heimatflughafen an. Ich war da. Nur meine Reisetasche, der hat es in Amsterdam so gut gefallen, dass sie dort geblieben ist … Ich habe doch tatsächlich am Gepäckband völlig umsonst auf sie gewartet. Sie ließ sich, ganz Diva, erst am nächsten Tag von einem Shuttle bringen.

Nachsatz: Ich fliege trotz der unglücklichen Gepäcksache weiterhin gerne mit KLM. Einmal im Leben muss es einen wohl treffen. Es ließ sich aber alles unkompliziert über die Website der Fluggesellschaft reklamieren und ich bekam innerhalb weniger Wochen meine Kosten erstattet.

Mein persönliches Fazit zur Queen Anne. Reise ich privat lieber auf kleinen Schiffen? Ja.
Würde ich wieder eine Kreuzfahrt mit der Queen Anne machen? Auch ja.

Die Queen Anne verbindet für mich klassische Cunard-Tradition mit einem modernen Schiffskonzept. Man spürt überall diese typische Cunard-Atmosphäre – Gala-Abende, Afternoon Tea, elegante Bars – und gleichzeitig wirkt vieles frischer und zeitgemäßer, als ich gedacht habe.

Vielleicht liegt mein Eindruck auch daran, dass das Publikum auf dieser Reise insgesamt sehr durchmischt, sehr britisch und eher jünger war. Dadurch war viel Leben an Bord, die Stimmung war locker und fröhlich, und in vielen Bereichen herrschte eine lebendige Atmosphäre.

Die Queen Anne ist für mich ein Schiff, das sowohl Cunard-Fans als auch neue Gäste begeistern kann. Elegant, vielseitig und mit genau der richtigen Mischung aus Tradition und moderner Kreuzfahrt.

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