TUI Cruises und Hapag-Lloyd Cruises machen es unter anderem vor: Kreuzfahrten sind auch in Zeiten der Pandemie möglich. Unter Einhaltung strenger Hygienekonzepte bieten die beiden deutschsprachigen Reedereien seit einigen Monaten wieder Kreuzfahrten an. Mittlerweile auch teilweise wieder mit (geführten) Landgängen. Bislang ohne Krankheitsfälle an Bord sind die Kreuzfahrten so beliebt, dass das Programm beider Reedereien in den Herbst und Winter ausgeweitet wurde. Die erarbeiteten Hygienekonzepte greifen offenbar (die kürzlich gemeldeten COVID-19 Infektionen unter der Crew an Bord der Mein Schiff 6 erwiesen sich als Fehlalarm) und der allgemeine Tenor der Gäste und Crews ist, dass sie sich sehr darüber freuen, wieder auf Kreuzfahrt gehen zu können. Auch andere Reedereien haben innerhalb Europas erste „Testfahrten“ erfolgreich abgeschlossen und blicken schon wieder ein wenig positiver in die Zukunft.

Aber wie sieht es auf dem großen Kreuzfahrtmarkt der USA zurzeit aus? Gerade wurde bekannt, dass die „No Sail-Order“ der U.S. Centers for Disease Control and Prevention (CDC) bis 31. Oktober 2020 verlängert wurde. Die Verordnung wurde bereits im März erlassen, mit Verlängerungen im April und Juli und wurde gestern nun um einen weiteren Monat verlängert. Mit dieser Anordnung wird der Passagierbetrieb auf Kreuzfahrtschiffen mit einer Kapazität von mindestens 250 Passagieren in Gewässern, die der Gerichtsbarkeit der USA unterliegen, weiterhin ausgesetzt. Da die CLIA (Weltverband der Kreuzfahrtindustrie) eh die Kreuzfahrtpause ihrer Mitgliedsreedereien bis Ende Oktober beschlossen hatte, ändert sich faktisch im Augenblick nichts. Doch wie geht es dann weiter? Wird die „No Sail-Ordner“ noch mal verlängert?

Genug ist genug

Wenn es nach Vertretern der vier größten Kreuzfahrtgesellschaften der Welt geht, nicht. Bei einem virtuellen Treffen des Tourismus- und Hafenausschusses des Bezirks Miami-Dade County im September gingen die Vertreter der Carnival Corporation, von Norwegian Cruise Line Holdings, Royal Caribbean Group und MSC Cruises auf die Barrikaden. In einer gemeinsamen Erklärung mit dem Miami-Dade County forderten sie ein baldiges Ende des Kreuzfahrtverbotes. Der Präsident und CEO von NCL, Frank Del Rio, sagte „Genug ist genug. Die Kreuzfahrtindustrie steht kurz vor der Zerstörung. … Wir müssen wieder an die Arbeit gehen. … Wir sind schon zu lange still gewesen…. Es ist an der Zeit, unsere Stimme zu erheben. … „

Während des Treffens berichteten Führungskräfte der großen Kreuzfahrtgesellschaften über die Arbeit, die die Unternehmen geleistet haben, um strenge Protokolle zur Verhinderung von COVID-19-Ausbrüchen an Bord zu entwickeln. Hervorgehoben wurden auch die erfolgreichen Kreuzfahrt-Starts in Europa. Der CDC wurde vorgeworfen, die Kreuzfahrtindustrie unfair zu behandeln und Gespräche über die Wiederaufnahme der Reisen verzögert zu haben, während andere wie Fluggesellschaften und Hotels und Resorts, ihre Tätigkeit fortgesetzt hätten.

Jetzt sieht es so aus, als wenn Kreuzfahrtschiffe in den USA ab dem 01. November 2020 langsam wieder an den Start gehen können. Laut amerikanischen Medien wurde Robert Redfield, der Direktor der Centers for Disease Control and Prevention, überstimmt, als er darauf drängte, die „No-sail-Order“ für Passagierkreuzfahrten bis ins nächste Jahr zu verlängern.

Hygienekonzepte eingereicht

Im Juli hat die CDC zusammen mit dem Department of Health and Human Services (HHS) öffentlich um Informationen im Zusammenhang mit der Planung und Infrastruktur von Kreuzfahrtschiffen, der Wiederaufnahme des Passagierbetriebs und zusätzlichen zusammenfassenden Fragen ersucht. Diese Informationen können verwendet werden, um künftige Leitlinien für die öffentliche Gesundheit und Präventivmaßnahmen im Zusammenhang mit Reisen auf Kreuzfahrtschiffen zu erstellen. Der RFI (Request for Information) richtete sich an interessierte Personen oder Organisationen, die Kommentare speziell zu Fragen im Zusammenhang mit der Planung und Infrastruktur der Wiederaufnahme des Passagierbetriebs abgeben konnten.

Auch die CLIA hat gemeinsam mit ihren Mitgliedern ein Konzept zum sicheren Neustart der Kreuzfahrten in Nordamerika und der Karibik erstellt und der CDC im Rahmen der RFI vorgelegt.

Die Kernpunkte des Konzepts umfassen im Wesentlichen die in Europa bereits eingeführten Maßnahmen wie:

  • Tests. 100%ige Prüfung von Passagieren und Besatzung auf COVID-19 vor der Einschiffung.
  • Maskenpflicht. Obligatorisches Tragen von Masken von allen Passagieren und Besatzungsmitgliedern an Bord und während der Ausflüge, wenn der physische Abstand nicht eingehalten werden kann.
  • Abstand halten. Physische Distanzierung in Terminals, an Bord von Schiffen, auf Privatinseln und bei Landausflügen
  • Belüftung. Luftmanagement- und Belüftungsstrategien zur Erhöhung der Frischluft an Bord und, wo dies möglich ist, unter Verwendung verbesserter Filter und anderer Technologien zur Risikominimierung
  • Medizinische Einrichtungen: Risikobasierte Reaktionspläne, die auf jedes Schiff zugeschnitten sind, um den medizinischen Bedarf zu bewältigen, spezielle Kabinenkapazitäten für die Isolierung und andere betriebliche Maßnahmen sowie Vorabvereinbarungen mit privaten Anbietern für Quarantäne an Land, medizinische Einrichtungen und Transport.
  • Landausflüge: Landausflüge finden nur nach den von den Kreuzfahrtveranstaltern vorgeschriebenen Protokollen statt, wobei von allen Passagieren strikte Einhaltung verlangt wird und allen Passagieren, die sich nicht daran halten, das Wiedereinsteigen verweigert wird.

Man darf gespannt sein, ob Kreuzfahrten auch in den USA demnächst wieder möglich sein werden. Wir halten Sie auf dem Laufenden.

Update 02.11.2020

„NO Sail-Order“ aufgehoben
Am 30. Oktober 2020 hat die US-Gesundheitsbehörde CDC (U.S. Centers for Disease Control and Prevention) die bisher bestehende „No Sail-Order“ für US-Häfen aufgehoben. Somit steht Kreuzfahrten ab 01. November 2020 grundsätzlich nichts mehr im Wege. Ersetzt wurde die Verordnung allerdings durch eine „Conditional Sailing Order“, ein Regelwerk, das Kreuzfahrtschiffen einen stufenweisen Wiedereinstieg in den Kreuzfahrtbetrieb ermöglichen soll.

In der Verordnung sind eine Reihe von Maßnahmen festgelegt, an die sich die Kreuzfahrtindustrie halten muss, damit sie den Passagierbetrieb wieder aufnehmen kann. Der Schwerpunkt dabei liegt auf der Verhinderung der weiteren Verbreitung von COVID-19 auf und von Kreuzfahrtschiffen sowie auf dem Schutz der öffentlichen Gesundheit und Sicherheit. Die Verordnung gilt für den Passagierbetrieb auf Kreuzfahrtschiffen, die mindestens 250 Passagiere in Gewässern unter der Gerichtsbarkeit der USA befördern können.

Der Erlass gilt bis zum 01. November 2021 oder bis zu dem Zeitpunkt, an dem die US-Regierung den Gesundheitsnotstand aufhebt oder die CDC die Regelung aufhebt oder ändert.

Die Reedereien müssen mehrere Phasen durchlaufen um die Genehmigung zu erhalten, ihren Betrieb in US-Gewässern wieder aufnehmen zu können. Die Anfangsphasen bestehen aus Tests und zusätzlichen Schutzmaßnahmen für die Besatzungsmitglieder. Zu den nachfolgenden Phasen gehören simulierte (Schein-)Reisen mit Freiwilligen, die testen ob die Reedereien ausreichende Maßnahmen zur Minderung einer Ansteckung mit COVID-19 getroffen haben. (Die Maßnahmen sind im Wesentlichen die, die unter anderem bei TUI Cruises, Hapag-Lloyd Cruises und Ponant zurzeit bereits umgesetzt werden.) Wenn alle Voraussetzungen seitens der Reedereien eingehalten werden, können sie ein Zertifikat bei der CDC beantragen. Sobald dies erteilt ist, kann die Passierschifffahrt wieder aufgenommen werden.

Die Vorschriften können seitens der CDC jederzeit geändert werden. Außerdem behält die Behörde sich vor, bereits erteilte Zertifikate zu widerrufen oder zu ändern.