Wissen Sie, was der Nikolaus eigentlich mit Weihnachten zu tun hat und warum er als Schutzherr der Seefahrer gilt?

Zurückgeführt wird die Figur des Nikolaus auf die historische Person des Bischofs von Myra, der als Heiliger und Wundertäter verehrt wurde.

Eines der Wunder, das Nikolaus von Myra vollbrachte, war „die Stillung des Seesturms“ in dessen Verlauf Seeleute, die durch ein schweres Unwetter in Seenot geraten waren, in ihrer schwierigen Lage um Hilfe flehten. Da erschien ihnen ein Unbekannter, der die Navigation übernahm, die Segel wieder richtig setzte und schließlich den Sturm zum Abflauen brachte. Dann verschwand er. Als die Seeleute später in der Kirche von Myra für das Wunder ihrer Errettung dankten, erkannten sie in dem Unbekannten den Bischof Nikolaus.

Seitdem ist er der Schutzherr der Seefahrer, was sich heute noch darin zeigt, dass in Hafenstädten zahlreiche Kirchen seinen Namen tragen. Der niedersächsische Küstenlandkreis Cuxhaven hat den Heiligen sogar in seinem Wappen verewigt.

In die Neue Welt gelang die Geschichte vom Nikolaus übrigens auch durch Seefahrer. Holländische Besatzungsmitglieder stellten 1621 in Manhatten eine „Sinterklaas“-Statue auf. Als Dank für eine gelungene Überfahrt.

In den Niederlanden wird den Kindern erzählt, dass der Nikolaus am Abend des 5. Dezember mit dem Schiff über das Meer gefahren kommt. Und in manchen Gegenden stellen die Kinder am Abend des 5. Dezember statt ihrer Stiefel kleine gefalzte Schiffe aus Papier für die Gaben auf.

Schiffe sind auch in Teilen Griechenlands Weihnachtsschmuck. Traditionell werden dort in der Weihnachtszeit Schiffchen mit Lichterketten geschmückt und dann in den Garten oder ins Fenster gestellt. Auf diese Weise wird an die vielen Seefahrer gedacht, die auf den Weltmeeren unterwegs sind.

Aber zurück zum Nikolaus. Sein Ruf als „Geschenkebringer“ beruht auf folgender Geschichte: der gütige Bischof Nikolaus soll drei mittellosen Jungfrauen heimlich bei Nacht goldene Kugeln in das Zimmer gebracht haben, damit sie ihre Mitgift zahlen können. Daraus formte sich das Ritual, den Todestag des heiligen Mannes (also den 6. Dezember) mit einem Akt der Nächstenliebe zu vereinen, und anderen mit kleinen Gaben eine Freude zu machen.

Bei uns ist der Nikolaus-Tag zwar immer noch ein Tag, an dem es kleine Geschenke gibt und der die Vorfreude auf Weihnachten schürt. Aber die Geschenke bringt mittlerweile das Christkind oder der Weihnachtsmann. Beide sind allerdings „ausgedachte“ Figuren, ohne jeden geschichtlichen Hintergrund.

Im 16. Jahrhundert übte Martin Luther scharfe Kritik an dem Brauch, dem Nikolaus einen Gedenktag zu widmen. Denn die Huldigung von Heiligen widersprach seiner Weltansicht. Deswegen entschied er sich, ein Wesen zu erfinden, das in den nicht-katholischen Kirchengemeinden den Nikolaus ersetzen sollte. Es erhielt den Namen Christkind, da es in Anlehnung an die Geburt Jesus Christus entstand. Darum wurde sein Ehrentag auch auf den Geburtstag Christus, den 24. Dezember, verlegt.

Nachdem anfangs nur die Protestanten diesem Brauchtum folgten, verbreitete es sich über die Jahrhunderte auch in den katholischen Gebieten. Und deshalb feiern alle am 24. Dezember das Fest der Liebe, bei dem das Christkind die Geschenke bringt. Zumindest in Österreich, der Schweiz und in katholischen Kreisen Deutschlands. In den nördlichen Regionen ist es der Weihnachtsmann, der die Geschenke bringt.

Auch der Weihnachtsmann ist eine reine Erfindung, die aus mehreren Figuren, darunter dem Nikolaus oder Knecht Ruprecht, entstand. Von ihnen übernahm er seine optischen Merkmale und wurde zu dem alten Mann mit Rauschebart und den rot-weißen Gewändern. Zudem war er in Amerika eine populäre Märchengestalt der weihnachtlichen Zeit, die als Vorlage für diverse Filme diente und auch in Deutschland eine wachsende Anhängerschar fand. Mit der Zeit gelange es ihm so, das Christkind als Überbringer von Geschenken zu verdrängen …