Eines der Ziele, das bei vielen auf der Wunschliste steht ist Panama. Denn in Panama gibt es so viel zu sehen: überbordende Natur und eine schier unfassbare Vielzahl an Tieren. Aber die beliebteste Sehenswürdigkeit in dem zentralamerikanischen Land ist ein Bauwerk. Und zwar eines der wagemutigsten und faszinierendsten der Welt. Der Panamakanal. Optisch eher unspektakulär, aber doch eines der wichtigsten Bauwerke der Welt. Er zählt seit 1995 zu den sieben architektonischen Weltwundern der Moderne, unter anderem zusammen mit dem Empire State Building und der Golden Gate Bridge. Diese Bauwerke wurden jedoch unter Zuhilfenahme modernster Technik erschaffen. Der Panamakanal ist über 100 Jahre alt und blickt auf eine lange Entstehungsgeschichte zurück.

Vom Scheitern und Neubeginn

Bereits im 16. Jahrhundert hatte der spanische König Karl V. die Idee, den beschwerlichen Weg zwischen Atlantik und Pazifik, der bis dato um das Kap Hoorn führte, abzukürzen. Damals erschien der Plan aber doch zu kühn und wurde mangels Erfolgsaussichten nicht fortgeführt.

Erst 1881 wurde das Projekt Panamakanal dann schließlich real. Graf Ferdinand de Lesseps, der Erbauer des Sueskanals, übernahm 1879 den Präsidentenposten der französischen Panamakanal-Gesellschaft und erstellte Pläne für den Bau des Kanals. Den Herausforderungen, die sowohl technisch als auch geografisch auf sie zukamen, waren Lesseps und die Panamakanal-Gesellschaft allerdings nicht gewachsen. Der Plan, den Kanal ohne Schleusen zu bauen ging nicht auf, Krankheiten und Schlammlawinen kosteten viele tausend Arbeiter das Leben und hielten die Bauarbeiten immer wieder auf. 1889 ging die Gesellschaft Bankrott.

800.000 Menschen sollen ihre Investments in die Gesellschaft verloren haben. Frankreich erlitt eine schwere Staats- und Gesellschaftskrise und versuchte einen Käufer für die alten Patente und Pläne zu finden. Diesen Käufer fand man schließlich in den USA. Der damalige Präsident Theodore Roosevelt erstand 1902 für 40 Millionen Dollar die „Konkursmasse“. Jetzt stand nur noch die Einigung mit Kolumbien an (zu dem Panama damals gehörte) und der Bau konnte weitergehen. Allerdings zeigte das kolumbianische Parlament sich mit dem Preis den die USA für die Konzession und Pacht des zehn Kilometer breiten Streifens quer durch das Land zahlen wollten, nicht zufrieden. Also unterstützte Roosevelt die Revolution einer Gruppe von Separatisten, die am 3. November 1903 die Unabhängigkeit Panamas ausriefen. Und schon kurz danach war ein Vertrag zwischen den USA und dem neu geschaffenen Staat unterschrieben und die Bauarbeiten konnten beginnen. Mit dem Vertrag sicherte er den Amerikanern „auf ewig“ die Souveränität über einen 15 Kilometer breiten und ca. 82 Kilometer langen Streifen, die Kanalzone.

Weitere 10 Jahre gingen ins Land, bevor der Kanal fertig war. Am 15. August 1914 wurde der Panamakanal für den kommerziellen Schiffsverkehr geöffnet. Die SS Ancon sollte als erstes Schiff, das den neuen Kanal befahren konnte, in die Geschichte eingehen.

Heute befahren etwa 14.000 Schiffe pro Jahr den Panamakanal. Etwa sechs Prozent der weltweiten Seefracht wird durch den Panamakanal transportiert. Besonders wichtig ist der Kanal für den Handel zwischen den USA und China. Zwei Drittel aller Waren die in US-Häfen be- oder entladen werden passieren den Kanal.

Die Transitzeit zwischen dem nördlichen Zugang bei Colón (Atlantik) und dem südlichen Zugang bei Balboa/Panama City (Pazifik) dauert zwischen zehn bis zwölf Stunden.

Die Magie der Schleusen

Eines der Hauptprobleme, mit dem die Ingenieure beim Bau dieser Wasserstraße konfrontiert waren, war der Unterschied in der Gezeitenhöhe zwischen Atlantik und Pazifik. Die Antwort auf dieses Dilemma bestand darin, an beiden Enden Schleusen einzubauen, die es ermöglichten, riesige Schiffe effektiv um viele Meter anzuheben oder abzusenken. Ein gigantischer künstlicher See – der Gatúnsee – wurde geschaffen, um dies alles zu ermöglichen. Damals wer er der größte von Menschenhand geschaffene See auf dem Planeten.

Die Schleusen werden übrigens trotz moderner Erweiterungen und Ergänzungen heute noch benutzt. Hut ab vor dieser Ingenieursleistung.

Ausbau und Wachstum

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts ging die Schifffahrt und damit das Geschäft im Panamakanal immer weiter zurück. Einer der Gründe dafür: Die modernen Flotten der Containerschiffe und Riesenfrachtschiffe passten einfach nicht durch die Schleusen, und wenn ein Schiff nicht in die Schleusen einfahren konnte, konnte es nicht durch den Kanal fahren.

2007 begannen deshalb die Arbeiten an einer Erweiterung des Panamakanals bei der unter anderem zusätzlich dreistufige Schleusenanlagen gebaut wurden. Innerhalb von neun Jahren Bauzeit wurden rund 150 Millionen Kubikmeter Erde und Geröll abgeräumt und zwölf Millionen Tonnen Zement sowie 192.000 Tonnen Stahl verbaut. Jetzt können Schiffe mit maximal 366 Metern Länge und 49 Metern Breite, und damit 96 Prozent aller Schiffe, die auf den Weltmeeren unterwegs sind, durch den Panamakanal geschleust werden.

Seit dem 31. Dezember 1999 um 12 Uhr gehört der Panamakanal übrigens nicht mehr den USA. 1977 schloss Jimmy Carter einen Vertrag, der festschrieb, dass vom Jahr 2000 an Panama die volle Souveränität über die Kanalzone ausübt.

Eine Fahrt durch den Panamakanal ist ein echtes Erlebnis. Haben Sie auch Lust dazu?